Wir sind Celine und Celina Akkus, angehende Erzieherinnen im ersten Ausbildungsjahr, und wir haben unser Erasmus-Praktikum in Istanbul, im deutschen Botschaftskindergarten Tarabya, von Anfang Januar bis Ende Februar 2026 absolviert. Der Grund für unsere Teilnahme war es, unsere gewohnte Umgebung zu verlassen, neue Perspektiven kennenzulernen und uns sowohl fachlich als auch persönlich weiterzuentwickeln. Zwischen dem Blick auf den Bosporus, umgeben von Wald und fernab vom hektischen Stadtleben Istanbuls, durften wir eine besondere pädagogische Erfahrung machen. Der Deutsche Botschaftskindergarten in Tarabya ist ein Ort, an dem unterschiedliche Kulturen, Sprachen und Lebensweisen aufeinandertreffen und den Alltag der Kinder auf vielfältige Weise prägen. Die Einrichtung arbeitet nach dem deutschen Bildungssystem und orientiert sich an den in Deutschland vorgegebenen Bildungsbereichen. Gleichzeitig ist der Kindergarten stark durch seine internationale Umgebung geprägt. Eine besondere Rolle spielt dabei die Vielfalt: Kinder aus unterschiedlichen kulturellen Hintergründen wachsen gemeinsam auf und erleben ein respektvolles und offenes Miteinander. Interkulturelle Feste und verschiedene Traditionen sind fester Bestandteil des Alltags und fördern schon früh das Verständnis füreinander. Auch die Mehrsprachigkeit ist ein zentraler Bestandteil des Konzepts. Die Kinder wachsen mit Deutsch, Türkisch und teilweise weiteren Sprachen auf. Deutsch dient dabei als gemeinsame Bildungssprache, gleichzeitig wechseln die Kinder im Alltag flexibel zwischen den Sprachen, je nachdem, mit wem sie spielen oder sprechen. Dies unterstützt nicht nur die Kommunikation, sondern auch ihre soziale und kulturelle Entwicklung. Ein weiterer besonderer Aspekt ist das naturnahe Konzept der Einrichtung. Der Kindergarten ist von Wald umgeben und bietet damit eine in Istanbul eher seltene Möglichkeit, Natur unmittelbar zu erleben.
Die Kinder spielen regelmäßig im Außengelände, erkunden die Umgebung oder unternehmen gemeinsame Waldspaziergänge. Dadurch sammeln sie wichtige Erfahrungen mit Natur und Umwelt und erhalten gleichzeitig einen Ausgleich zum Leben in der Großstadt. Auch die Gruppenkonstellation trägt wesentlich zum pädagogischen Alltag bei. Im Kindergarten gibt es zwei altersgemischte Gruppen für Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren, die Seesterngruppe und die Quallengruppe. Eine klassische Krippengruppe gibt es nicht. Mit etwa sechs Jahren wechseln die Kinder in die Vorschule. Durch die Altersmischung entstehen viele Lernprozesse: Die jüngeren Kinder orientieren sich an den älteren und ahmen deren Verhalten nach, beispielsweise beim Anziehen, Aufräumen oder Händewaschen. Die älteren Kinder übernehmen dabei Verantwortung, helfen den Jüngeren und lernen gleichzeitig Rücksichtnahme, etwa während der Ruhezeiten. Offiziell arbeitet der Kindergarten nach einem teiloffenen Konzept. Jedes Kind hat eine feste Stammgruppe, jedoch finden viele Aktivitäten gruppenübergreifend statt. So frühstücken die Kinder gemeinsam, nehmen zusammen am Morgenkreis teil, essen gemeinsam zu Mittag und verbringen auch einen Großteil der Freispielzeit miteinander. Unser Tagesablauf im Kindergarten war klar strukturiert und bot den Kindern Sicherheit und Orientierung. Am Morgen begann der Tag mit dem Ankommen und einer Freispielphase. Die Kinder wurden begrüßt, konnten selbstständig ihre Beschäftigung auswählen oder in Ruhe frühstücken. Darauf folgte der Morgenkreis als gemeinsamer Start in den Tag, bei dem gesungen, gespielt und der Tagesablauf besprochen wurde. Nach dem Morgenkreis gingen wir gemeinsam nach draußen. Die Kinder spielten entweder im gesicherten Außengelände, besuchten den Spielplatz oder nahmen an gemeinsamen Waldspaziergängen teil. Anschließend folgte das Mittagessen, bei dem die Kinder eine warme türkische Mahlzeit erhielten. Danach schloss sich die Ruhezeit an, in der die Kinder schliefen, sich ausruhten oder sich ruhig mit Büchern beschäftigten. Am Nachmittag gab es einen Snack, bevor die Kinder erneut Zeit zum freien Spiel hatten und schließlich abgeholt wurden.
Rückblickend hat uns diese Zeit nicht nur fachlich weitergebracht, sondern auch persönlich geprägt. Wir konnten erleben, wie bereichernd Vielfalt im pädagogischen Alltag sein kann und wie wichtig Offenheit, Empathie und interkulturelles Verständnis sind. Die Erfahrungen, die wir im Botschaftskindergarten sammeln durften, werden uns auf unserem weiteren Weg als Erzieherinnen begleiten und nachhaltig beeinflussen. Wir sind dankbar für diese besondere Möglichkeit und können sie jedem von Herzen weiterempfehlen.
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