Fünf Berufsschulen auf einem Gelände Konzepte für den Campus
Woll-Kämmerei-Gelände: Planer legen Entwürfe für Berufsschulkomplex vor – Jury will Montag entscheiden
Bremen-Nord.Im Frühjahr gab es nicht mehr als einen vagen Plan, inzwischen gibt es konkrete Konzepte: Seit Monaten sind drei Büros dabei, Entwürfe für einen Berufsschulcampus auf dem früheren Gelände der Bremer Woll-Kämmerei zu entwickeln. Einmal haben die Architekten einem ausgewählten Publikum bereits gezeigt, wie sie den Wirtschaftsstandort auch zu einem Bildungsstandort machen wollen. Demnächst machen sie das wieder, ein letztes Mal. Eine Jury um Senatsbaudirektor Iris Reuther will Anfang nächster Woche entscheiden, welches Konzept umgesetzt werden soll. Das finale Treffen der Juroren ist wie das erste – nicht öffentlich. Die Planungsbüros treten in einem städtebaulichen Wettbewerb gegeneinander an. Zwei kommen aus Bremen, das dritte Unternehmen hat Niederlassungen in Groningen, Rotterdam und Köln. Die Firmen heißen Forum L, Westphal Architekten und De Zwarte Hond. Teils sind sie auf den Bau von Schulen spezialisiert, teils auf den Umbau alter Gebäude. Am Montag soll jedes Team eine Dreiviertelstunde Zeit haben, seinen Entwurf vorzustellen. Architekten und Jury kommen auf Burg Blomendal zusammen. Zu den Juroren gehören Vertreter der Bau-, Wirtschafts- und Bildungsbehörde. Bei einem Treffen im September haben sie den Planern schon mal gesagt, welche Ideen sie weiterverfolgen sollen und welche nicht mehr. Die Architekten hatten erste Skizzen und Modelle präsentiert. Zu den Vorgaben, die sie bekamen, gehören: eine kompakte Bauweise, neue und alte Bausubstanz in Kombination, eine Erschließung des Grundstücks von mehreren Seiten und viel Platz für Autos. Die Bildungsbehörde rechnet mit einem Campus für rund 4000 Schüler und 300 Lehrkräfte. Fünf Berufsschulen aus dem Norden und Westen der Stadt will sie bis 2029 auf dem früheren Grundstück der Woll-Kämmerei zusammenlegen. Nach dem neuesten Zeitplan soll der Unterricht für die ersten Klassen im Sommer 2021 auf dem Gelände starten. Den Anfang wird die Blumenthaler Berufsschule machen. Am neuen Standort soll sie bekommen, was ihr am alten fehlt: Platz. Und zwar so viel, dass sie künftig mehr Erzieherinnen und Erzieher ausbilden kann, weil es zu wenige von ihnen gibt. Sie sollen Fachräume im früheren Sortiergebäude der Woll-Kämmerei bekommen. Nach Angaben der Bildungsbehörde wird der Klinkerbau der erste sein, den Handwerker für Berufsschüler umbauen sollen. Mittlerweile haben Ingenieure damit begonnen, die Etagen zu vermessen. Das ehemalige Sortiergebäude ist nicht der einzige Bestandsbau, der in den Campus-Plan integriert werden soll. Von drei Altbauten ist die Rede und von mindestens noch mal so vielen Neubauten. Um Platz für sie zu schaffen, sollen drei Industriegebäude, die leer und nicht unter Denkmalschutz stehen, abgerissen werden. Das Gelände, das die drei Planungsbüros umgestalten, ist zwischen acht und zehn Hektar groß. Die Fläche ist dabei nicht ausschließlich für den Campus vorgesehen. Auch ein sogenannter Handwerkerpark gehört zum Konzept der Behörde: Mehrere Betriebe sollen sich rund um den neuen Schulstandort ansiedeln. Wirtschafts- und Bildungsbehörde versprechen sich dadurch vor allem eines: kurze Wege. Zum einen für die Auszubildenden der Firmen, um zum Unterricht zu gelangen. Zum anderen für die Unternehmen, um Fachkräfte zu finden. Beide Seiten, heißt es, sollen voneinander profitieren. Zwischen 30 und 40 Berufssparten sieht das Ausbildungsprogramm für den Blumenthaler Campus bisher vor. Wie viele Handwerksfirmen sich bei den Berufsschulen niederlassen sollen, ist noch unklar. Die Wirtschaftsbehörde spricht nur davon, dass es um kleinteiliges Gewerbe geht, das in der Nachbarschaft dazukommen soll. Unternehmen, die Flächen zwischen 1000 und 1200 Quadratmeter brauchen. Wo das Schulgelände aufhört und der Handwerkerpark anfängt, dazu machen die Planer unterschiedliche Vorschläge. Wie auch zur Stellplatzfrage für Autos. Bei einem Entwurf werden sie in einem Parkdeck abgestellt, bei einem anderen in einer Tiefgarage. Eine Turnhalle sehen dagegen alle Konzepte vor. Das Sportgebäude wird vielleicht nicht das einzige auf dem Woll-Kämmerei-Gelände bleiben. Auch der Farger Verein für Turn und Tanz hat mittlerweile angekündigt, dort eine Halle zu bauen. Laut Ortsamtsleiter Peter Nowack haben sich die Mitglieder ein Grundstück reservieren lassen – und signalisiert, das Gebäude mit den Schulen zu teilen. Wie viel der Campus plus Handwerkerpark am Ende kosten wird, darüber kann Annette Kemp nur spekulieren. Die Sprecherin von Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) sagt, dass über Summen noch nicht gesprochen wurde. Ortsamtschef Nowack nennt trotzdem welche. Er hat es mal grob überschlagen. Allein für die Mehrzweckturnhalle veranschlagt er rund zehn Millionen, für alle Um- und Neubauten zusammen 150 Millionen Euro, inklusive Abriss der leer stehenden Altgebäude. Ob er mit dieser Zahl richtig liegt, wird sich ihm zufolge vielleicht am Montag zeigen, wenn die Jury festlegt, welches Konzept umgesetzt werden soll. Zu sehen werden es die Blumenthaler Beiratsfraktionen allerdings nicht sofort bekommen. Nowack geht davon aus, dass sich die Stadtteilpolitiker bis Anfang nächstes Jahres gedulden müssen – und die Juroren den Siegerentwurf erst dann für die Öffentlichkeit freigeben werden. Der Ortsamtsleiter hat den Campus und wie es mit dem Projekt weitergeht für die Januar-Sitzung vorgemerkt. „Über Summen ist noch nicht gesprochen worden.“ Annette Kemp, Bildungsbehörde.
Christian Weth
Artikel aus dem Weser-Kurier vom 14.12.2019